Zungenpressen

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Viele Patienten haben andere “schlechte Angewohnheiten” als Knirschen, Pressen und Mahlen. Einige pressen extrem mit der Zunge, entweder gegen die Oberkiefer- oder die Unterkiefer-Seitenzähne, am häufigsten kedoch gegen die UK-Frontzähne.

Hält diese “schlechte Gewohnheit” über längere Zeit an, sieht man an der Zunge eindrucksvolle, eigentlich nicht zu übersehende Impressionen. An diesen “natürlichen Abdrücken” kann man leicht ablesen, an welche Zähne der betreffende Patient presst. Durch diese nicht zu unterschätzende, andauernd über lange Zeit einwirkenden Kräfte auf die Zähne, geraten diese in Bewegung und werden verschoben. Es ist nicht anders als in der Kieferorthopädie.

Diese Patientin presst eindeutig gegen die UK-Frontzähne und die UK-Prämolaren. Vergleicht man die beiden OPTs so erkennt man deutlich eine Zunahme der Auffächerung der Front. 1996 standen die Zähne bereits lückig. Aber schauen Sie einmal auf 43 und 44. 44 stand damals noch eng an 43. Jetzt sieht man dort eine neue Lücke.

Anamnestisch hat die Patientin allen Grund, schlechte Gewohnheiten auszuführen und ihre innere Spannung auf irgend eine Weise abzubauen. Ihr Mann ist gestorben, sie zieht ihre beiden Kinder alleine groß und führt auch noch das Geschäft weiter.

Sie stellt sich jetzt mit hypersensiblen OK-Frontzähnen vor, die deutliche Lockerungsgrade aufweisen. Das ist kein Wunder. Schließlich schiebt sie die U-Frontzähne nach vorne und knallt bei jedem Schlussbiss auf die OK-Front. Da der Knochen im OK eine deutlich schlechtere Qualität aufweist, weichen die OK-Frontzähne aus.

Wichtig:

Beim Einschleifen muss man immer einen leichten Druck nach innen auf die gelockerten OK-Frontzähne ausüben, weil diese ja im Schlussbiss ausweichen und sich die Kontakte auf der UK-Front sonst nicht abzeichnen!!!

Dieser Fall ist wohl eine der wenigen Ausnahmenindikationen für eine Schiene im Unterkiefer, um die Zunge davon abzuhalten, die UK-Front weiter nach vorne zu pressen.