Überlegene Ästhetik durch Implantatvermeidung

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Manchmal ist es zum Glück auch von Vorteil, wenn die finanziellen Ressourcen relativ begrenzt sind. Dieser Patientin war mehrfach und von verschiedener Seite bedeutet worden, ihre zunehmend verzweifelte Frontzahn-Situation sei nur mittels Extraktion und nachfolgender Implantation ästhetisch befriedigend zu lösen, was nach den Kostenvoranschlägen deutlich außerhalb ihrer finanziellen Möglichkeiten lag.

Dass die Patientin angehalten ist, für den Rest ihres Lebens nachts eine adjustierte Aufbissschiene zu tragen, versteht sich angesichts der Ausgangsdiagnose “Fortgeschrittene Parodontitis der Front bei Ausübung schlechter Gewohnheiten” von selbst. Diese Diagnose stellt schließlich quasi den Supergau für den Knochen und das Parodontium dar und die Vorbeugung durch primäre Verblockung hat -wie jede andere therapeutische Maßnahme- selbstverständlich ihre Grenzen. So gelingt es machen Patienten sogar, einen solchen kompletten Kronenblock nach vorne herauszuschieben mit der Folge von Lückenbildung zwischen den Dreiern und den Vierern. Auf der deutlich sichereren Seite ist man in solchen Fällen erst, wenn man auch noch die Vierer in die Verblockung mit einbezieht, weil diese, da sie zum Seitenzahnbereich gehören, einer Mesialisierung wesentlich mehr Widerstand entgegensetzen können.

Tabelle der Lockerungsgrade der einzelnen Zähne initial und vor Zementierung der definitiven Versorgung (nach PAR-Behandlung unter Aufbissschiene, Wurzelbehandlung unter sorgfältiger Desinfektion und Schienung mit verblocktem Provisorium)::

klinisch

I

0-I

II

II-III

II

II-III

0-I

I

Periotest vorher

12

8

22

29

24

31

7

13

Zahn

14

13

12

11

21

22

23

24

Periotest nachher

4

2

8

13

7

18

1

4

klinisch

0

0

0-I

I

0-I

I-II

0

0

Referenzwerte der klinischen Lockerungsgrade zu den Periotestwerten:

0

– 8 bis + 9

I

10 bis 19

II

20 bis 29

III

30 bis 50

Aufgrund der Kürze der Zeit und der über den Behandlungszeitraum lediglich relativen Verblockung ist davon auszugehen, dass sich die Lockerungsgrade weiter reduzieren werden.

Wenn man sich das Szenario weniger begrenzter finanzieller Ressourcen mit der möglichen Folge eines implantologischen Lösungs-Versuchs dieses Falles vorstellt, so kann der Erfahrene – völlig unabhängig von den nicht vergleichbaren Kosten –  leicht ermessen,  wie viel Leid und Risiken (Extraktion, unkomfortable provisorische Versorgung über lange Zeit, Knochen-Augmentation/en, Weichteilaugmentation/en, Papillen-Rekonstruktion/en, usw.) mit wenig prognostizierbarem Erfolg über wie lange Zeit diese Patientin erfahren hätte müssen. Darüber hinaus wird jeder realistische, implantologisch UND prothetisch erfahrene Kollege unter dem besonderen Aspekt der Ästhetik  zugeben müssen, dass ein vergleichbares Ergebnis nach Implantation und prothetischer Versorgung bei dieser Ausgangssituation die Ausnahme von der Regel darstellt, wenn es denn überhaupt erreichbar ist, derweil der von uns beschriebene Weg der prothetischen Rehabilitation nach Zahnerhaltung in einem überschaubaren Zeitrahmen zu einem sicher vorhersagbaren, ästhetisch einwandfreien  Ergebnis führt.