Iatrogene gesetzte Hindernisse durch KFO

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Wenn wir einen Neupatienten untersuchen und feststellen, dass dieser einmal eine KFO-Behandlung durchgemacht hat, gehen bei uns die roten Lichter an.

In Fällen von Zustand nach KFO-Behandlung findet man mit nahezu an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit okklusale Störungen. Bis auf wenige Ausnahmen sind Kieferorthopäden zwar in der Lage, die Zähne einigermaßen ästhetisch zufriedenstellend umzustellen und neu zu positionieren, sie sind aber mit der Gnathologie (und mit den möglichen Schäden, die sie setzen) zu wenig vertraut, um nach Abschluss ihrer Bemühungen, den erforderlichen korrekten Fein-Einschliff der Okklusion vorzunehmen.

Eine kleine Lanze möchte ich hier dennoch als Entschuldigung für die KFO-ten brechen. Korrigierte Zahnfehlstellungen haben eine große Rückstellungs- resp. Rezidivtendenz. So ist ein nicht korrektes Einschleifen der Okklusion nach Abschluss der kieferorthopädischen Behandlung nur dann diagnostizierbar, wenn Sie den Patienten unmittelbar nach Abschluss der Behandlung sehen. Sehen Sie ihn auch nur wenigen Monate später, so mag das bereits beginnende Rezidiv für die Malokklusion verantwortlich sein.

Unberührt davon bleibt natürlich die Überlegung, ob nicht durch ein korrektes Einschleifen einer stabilen Okklusion so manches Rezidiv zu verhindern wäre. Die Kieferorthopäden haben ein wesentliches Problem bei der kritischen Würdigung ihrer eigenen Arbeit. Während die normalen Zahnarztpatienten in der Regel immer wieder kommen, sehen die Kieferorthopäden ihre Patienten in der Regel nach Abschluss der Behandlung nicht wieder. In diesem Sinne denkt man, wenn der Zorn in einem hoch kommt, schon einmal an ein Gesetzt, das die Kieferorthopäden zwingen würde, ihre eigenen Patienten 10 Jahre nach Abschluss ihrer Bemühungen nachuntersuchen zu müssen. Notwendig wäre es außerdem, die Kieferorthopäden zu verpflichten, eine ZMF oder Dentalhygienikerin zu beschäftigen.

Was hat man davon, wenn die Zähne regelmäßig aufgereiht dastehen wie die Kühlschränke in der Haushaltsabteilung bei Karstadt, dafür aber völlig entkalkt und kariös sind?

Massive Schäden werden durch herausnehmbare Geräte (sogenannte Aktivatoren) gesetzt. Diese Aktivatoren unterstützen angeblich die Vorwärtsentwicklung des Unterkiefers in der Wachstumsphase, um so eine Klasse II in eine Klasse I umzuwandeln. Ob das überhaupt jemals gelingt, entzieht sich unserer Kenntnis. Zahlen über Nachkontrollen seitens der Kieferorthopäden gibt es anscheinend nicht. Sie ziehen es offensichtlich vor, jede Klasse I, die sie auf diese Weise wie auch immer erzeugen, als Erfolg zu werten.

Wir sehen dann die groben Misserfolge. Das sind Patienten mit zwei Bisslagen, die von einander mindestens um eine halbe Prämolarenbreite entfernt sind. Es ist in diesen Fällen nämlich unter der Aktivator-Therapie gar nicht zu einer Vorentwicklung des Unterkiefers gekommen. Der Patient hat lediglich gelernt, den Unterkiefer nach vorne zu schieben und den Mund in der Position zu schließen, in der der Kieferorthopäde das gerne möchte, bzw. in der Position, in die ihn der Aktivator hineinzwingt. Das Kiefergelenksköpfchen dieser Patienten befindet sich dann nicht dort, wo es gerne sein möchte, sonder deutlich weiter ventral.

Die Amerikaner sind sich dieses Problem der Aktivator-Therapie wohl bewusst und nennen die daraus entstehende, zweifelhafte Bisssituation nonchalant “Sunday-Bite” (Sonntags-Biss = völlig zufällige Bisssituation). Als Trost geben sie den Patienten auf ihren Lebensweg mit, dass diese Bisssituation allein nicht besonders häufig zu ernsthaften Beschwerden führt und nur durch eine aufwendige, risikobehaftete chirurgische Intervention zu heilen ist, die zum Glück nur selten erforderlich ist.

Versuchen Sie deshalb nie, eine solche Situation durch Einschleifmaßnahmen zu korrigieren. Es geht nicht, und Sie werden die Situation nur verbösern. Auch der Versuch, die Situation durch Zahnersatz zu heilen wird nicht gelingen.

Solange diese Patienten entspannt leben passiert auch nichts. Da unterscheiden sich diese Patienten nicht von anderen mit kompensierter Malokklusion. Wehe aber, sie geraten in eine Lebenskrise und fangen an zu Knirschen und zu Pressen.

In solchen Fällen können Sie diese Patienten können Sie nur rein symptomatisch mit einer Doppelschiene behandeln.

Da keine gesicherten Erkenntnisse darüber vorliegen, ob die Behandlung der Klasse II mittels Aktivator in der Wachstumsphase überhaupt einen Einfluss hat oder jemals gelingt, habe ich für meine eigene Tochter, die eine klassische Klasse II hatte, die Entscheidung getroffen, sie nicht eher einem Kieferorthopäden vorzustellen, bis diese Wachstumsphase vorbei war, um ihn nicht in Versuchung zu führen. Anschließend habe ich sie nach Extraktionen zweier Prämolaren im Oberkiefer im Sinne eines ordentlichen Kompromisses festsitzend behandeln lassen.

Leider haben wir im Moment keinen solchen laufende Fall, den wir Ihnen im Bild demonstrieren könnten. Wir werden das aber bei Gelegenheit nachtragen.

Die kleineren, unspektakulären Fälle sind auch viel häufiger und werden deshalb viel leichte übersehen.

Dieser junge Patient kam ein Jahr nach Abschluss seiner festsitzenden KFO-Behandlung mit schönen, regelmäßig aufgestellten Zähnen, aber ziehenden Schmerzen zu uns in Behandlung,

Eine Woche später ist der Patient beschwerdefrei. Die notwendigen kleinen okklusalen Korrekturen haben nicht einmal 5 Minuten gedauert.

Solche okklusale Hindernisse könnten langfristig zu manifesten Schäden führen. Erkennt und beseitigt man sie rechtzeitig ist die Therapie wenig aufwendig.

Wo wir gerade bei der KFO sind. Hier noch zwei schöne OPT’s: