Besondere Fälle

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Es würde den Rahmen dieser Dokumentation sprengen, wenn wir hier unsere täglichen Routinefälle mit der üblichen apikalen Erweiterung des Parodontalspaltes und/oder der kleinen apikalen Aufhellung darstellen würden. Deshalb zeigen wir hier nur einige auffälligere Fallbeispiele. Damit Sie sich ein Bild davon machen können, wie groß das Vertrauen ist, dass wir mittlerweile in unsere Behandlungsmethode und die Voraussagbarkeit eines erfolgreichen Ergebnisses haben, empfehlen wir Ihnen, sich zunächst einmal das Fallbeispiel 6 anzuschauen.

Fallbeispiel 2
Nicht häufig gelingt es, einen Fistelverlauf sozusagen von der Quelle bis zur Mündung darzustellen wie in diesem kombinierten Endo-Paro-Fall:

April 2001: Ausschnitt aus dem Erst-Opg bei Fistelung von 36 (Klick!). Mai 2001:Die Darstellung der Fistel mit einer Guttapercha-Spitze (Klick!).
In gleicher Sitzung erfolgte die großzügige Aufbereitung der drei auffindbaren Kanäle mit Überinstrumentierung, die chemische Desinfektion nach der Timbuktumethode (siehe Kapitel “Rationelle Endodontie”) in mehreren Sitzungen und die geschlossene Kurrettage. Nach klinischer Abheilung der Fistel Probe-WF mit Calcxyl (drei Mal im ca. Abstand von 4 Wochen).

July 2001: Zustand nach prov. WF mit Claxyl. Der Entzündungsprozess ist deutlich rückläufig. Die Fistel ist klinisch geschlossen. Man sieht deutlich, dass der Zahn in der Mitte perforiert ist (Klick!). September 2001: Zustand nach WF, Aufbaufüllung in SÄT und Prämolarisierung vorm Beschleifen zur Aufnahme einer Doppelkrone (Klick!).
Solche Zähne können über viele Jahre funktionstüchtig in situ bleiben, insbesondere dann, wenn die beiden Einzelkronen am Kontaktpunkt verblockt werden, die Aufbauten solide sind, der Interdentalraum für ein Interdentalbürstchen zugänglich gestaltet ist (und dieses auch benutzt wird), die Kontaktpunkte zu den Nachbarzähnen stramm sind und die Okklusion funktions- und indikationsgerecht gestaltet wird, d.h., wenn auf dem Laborzettel steht: viel Metall, solide Verblockung, extrem abrasiv, gerade kein okklusaler Kontakt, sehr schwacher Pfeiler. Immerhin haben jetzt die beiden Einzelzähne L=0/0, während der Gesamtzahn vorher L=1-2/1 hatte.

Wir geben natürlich gerne zu, dass da sportlicher Ehrgeiz dahinter steckt im Sinne der Auslotung der Grenzen der Zahnerhaltung und der Ausheilung kombiniert endodontisch-parodontologischer Fälle.

Solche Zähne kommen einem aber auch im parodontal massiv geschädigtem Restgebiss unter, wo die Alternative nicht die einer Brücke, sondern einer für viele nicht finanzierbaren Implantatversorgung ist (siehe dazu auch: Modifizierte teleskopierende Versorgung). In einer solchen Situation muss man mit den nur noch wenigen Pfeilern sparsam umgehen. In diesem Sinne eine schöne Übung. Darüber hinaus stellt eine Brücke für manchen im Moment der Behandlung eine nicht unerhebliche finanzielle Belastung dar. Wir machen so etwas selbstverständlich auch nur, wenn die anderen Dinge stimmen, d.h., wenn das Interesse am Erhalt der eigenen Zähne durch vorbildliche Mundhygiene dokumentiert ist.

Fallbeispiel 3
Jede Behandlungsmethode hat selbstverständlich ihre Grenzen…..

Und als wir bei der klinischen Inspektion die Fistel im Bereich des Vierers sahen, dachten wir, es hätte uns diesmal erwischt. Immerhin handelte es sich um einen vor Jahren nach der Timbuktu-Methode wurzelbehandelten, gangränösen Zahn. Da der verantwortliche Zahn aufgrund der Verblockung mittels Klopf- und Beweglichkeitstest nicht eindeutig nachzuweisen war, haben wir vorsichtshalber geröngt. Wie man sieht zum Glück, weil der Austrittspunkt der Fistel eine ursächliche Beteiligung des Zahnes 44 nur vortäuschte und das Ende der Guttapercha-Spitze jedoch in der apikalen Aufhellung von 45 lag.

Röntgenologische Darstellung der Fistel mit Guttaperchastift am 14.08.2001 (Klick!)

Fisteln haben insbesondere dann eine sehr gute Prognose für ihre vollständige Ausheilung, wenn es gelingt, den Zahn so aufzubereiten (….und natürlich im Anschluss sorgfältig zu desinfizieren), dass die Spülflüssigkeit über die Fistel austritt.

Kontrollaufnahme unmittelbar nach WF am 16.10.2001 (Klick!)

Interessant ist der zusätzlich abgefüllte Seitenkanal. Man sieht, dass man auch mit der Einstiftmethode unter forcierten Einrotieren des Sealers mit Pastinjekt-Instrument (übrigens tausendmal besser als Lentulo) solche komplizierten Kanäle durchaus abfüllen kann, auch wenn man sie nicht bewusst aufbereitet hat. Und dies völlig ohne Lupe oder gar OP-Mikroskop. Schneller geht es sowieso. Das überpresste WF-Material wird spätestens in einem halben Jahr vollständig resorbiert sein.

Pastinjekt-Instrumente (Micro-Mega) statt Lentulos zu verwenden ist übrigens ein mehr als 100$-Tip:

Nie mehr Blasen, nie mehr Frakturen und immer prall gefüllte Kanäle, egal von welcher Seite man sie auch röngt.

Fallbeispiel 4
Es handelt sich um einen durch Fistelung komplizierten kombiniert endodontisch-parodontologischen Fall, wie er täglich vorkommt und genau so regelmäßig zur Extraktion gelangt. Dabei ist ein solcher Zahn mit Geduld und sorgfältiger Desinfektion sehr einfach zu erhalten.

Zahnfilm vom März 2000 (Klick!)
Mai 2000 (Klick!)

November 2001 (Klick!)

November2005 (Klick!)

Deutlich sieht man die abgefüllte Fistel, die langsame knöcherne Ausheilung in Richtung Restitutio ad integrum und den “wundersamen Knochengewinn”.

Natürlich veröffentlichen wir solche Fälle auch auf Zahnärzte-Listen und verteidigen vehement diese einfache und auch in komplizierten Fällen sicher voraussagbare Methode. Uns wird uns in diesem Zusammenhang häufig Arroganz und Überheblichkeit vorgeworfen. Wir verstehen natürlich, dass wir mit unseren Einlassungen dem Selbstverständnis vieler Kollegen ganz erheblich zu nahe treten.

In unseren Augen wäre es sicher arrogant und überheblich, wenn wir uns hinstellen und sagen würden:” Schaut her, wie toll wir sind, schaut, was wir können und was Ihr nicht könnt!” Genau das Gegenteil ist aber der Fall, da wir den Kollegen zurufen: “Schaut doch, wie einfach es ist, auch auf den ersten Blick vermeintlich infauste Zähne langfristig zu erhalten. Ihr könnt es auch. Jeder kann es. Ihr müsst nur wollen!”

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