Überstehende Kronenränder

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Überstehende, oder sogar demonstrativ sehr schön unterhakbare Kronenränder stellen ja eine allgemein beliebte Gelegenheit da, den Vorbehandler in den Augen des Patienten madig zu machen und für die Steigerung des eigenen Prothetik-Umsatzes zu sorgen. Der nächste Kollege macht es dann wieder so, und alle erfüllen ihre kapitalistische Pflicht zur Steigerung des Brutto-Inlands-Produktes und keiner wird beim Einschlafen behindert.

Das Problem im obigen hier ist nur, dass – obwohl die Kronen nicht von uns sind- wir den Patienten (und damit natürlich auch die Kronen) schon viele Jahre kennen, beobachten und ca. halbjährig mit einer neuen Schiene indikationsgerecht versorgen, weil diese spätestens dann kaputtgeknirscht ist.

Wenn man jedoch einmal genau und mit neutralem Blick hinschaut, sieht man deutlich, dass es sich nicht zwangsläufig um eine primär insuffiziente zahnärztlich-technische Verrichtung des Vorbehandlers handeln muss, sondern dass es sich vielmehr mit hoher Wahrscheinlichkeit um ausbrechende Zahnhälse handelt. Davor schützen also auch Kronen nicht. Wie sollten sie auch? Die Wahrscheinlichkeit, dass es so ist, wird noch größer, wenn man weiß, dass es sich bei dem Patienten und einen besonders ambitionierten Geschäftsmann handelt, dessen Unternehmen am neuen Markt gelistet ist. Tagsüber trägt er die Schiene offensichtlich nicht.

Das tolle an der Wissenschaft ist ja, dass sie irgendwann auch endlich das einmal wissenschaftlich nachweist, was der genau hinschauende Empiriker schon seit Jahren weiß und indikationsgerecht behandelt. So haben wir uns ganz besonders gefreut, dass einem jungen Wissenschaftler mit Hilfe einer sehr komplexen Maschine (veröffentlicht in einer der letzten DZZ) nun endlich der Nachweis gelungen ist, dass keilförmig ausbrechende (und damit empfindlich werdende) Zahnhälse die logische Folge schlechter Gewohnheiten sind, dass also das märchenhafte Putztrauma nunmehr endgültig in den Bereich der Fabeln verwiesen werden kann.

In diesem Sinne ein Grund mehr, wenigstens auf das Verschmieren von Chemie weitgehend zu verzichten und lieber demjenigen den Umsatz zukommen zu lassen, der die notwendigen Materialien für eine indikationsgerechte Therapie liefert.