München hat ja nun weiß Gott eine sehr hohe Zahnarztdichte.

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Vor diesem Hintergrund verwundert es dann schon, dass eine Praxis überleben kann, in der eine Zahnheilkunde betrieben wird, die offensichtlich streng an der NICHT-Zahnerhaltung ausgerichtet ist.

Die 16jährige Patientin stellte sich mit einem stark klopfempfindlichen Zahn 46 mit vestibulärer Schwellung über der mesialen und Fistelung über der distalen Wurzel vor. Die Fistel mündete in einer das Fistelmaul umwuchernden blumenkohlartigen Schwellung, wie sie nicht untypisch für eine lange Fistelanamnese ist.

Initial haben wir den Abszess über der mesialen Wurzel nach einem Einstich mit der zahnärztlichen Sonde ohne Anästhesie entleert, den Zahn trepaniert und mit 15ner Feilen über die Wurzelkanäle Zugang zur apikalen Ostitis geschaffen. Dies zum einen, um für unser Desinfizienz guten Zugang zum bakteriellen Herdgeschehen zu schaffen, aber auch, um zunächst einmal entscheiden zu können, ob es sich bei der Ostitits lediglich um eine Aufhellung, oder aber bereits um eine zystische Veränderung handelte. Da letzteres nicht der Fall war, haben wir die drei Wurzelkanäle bis zu ihrem Apex aufbereitet und medikamentös mit ChKM, Watte, bedingt offen versorgt. Antibiotika und Schmerzmittel wurden nicht verordnet. Unter dieser einfachen Therapie wurde die Patientin sehr schnell beschwerdefrei, die Schwellung über der mesialen Wurzel bildete sich innerhalb von zwei Tagen nahezu vollständig zurück und die blumenkohlartige Veränderung um das Fistelmaul über der distalen Wurzel war deutlich regredient. Da der Zahn nach zwei Tagen kaum mehr klopfempfindlich war, konnten wir den Zahn bereits zu diesem frühen Zeitpunkt nach ChKM-Einlage provisorisch verschließen.

Eine gute Woche später ist die Fistel bei vollständiger Beschwerdefreiheit geschlossen, die Veränderung um das Fistelmaul nahezu vollständig abgeheilt, und der Zahn – wie man an der provisorischen Füllung sieht – wieder voll belastbar.

Das gibt wirklich ein gutes Gefühl und motiviert unheimlich, wenn man einer solch jungen Patientin eine Lücke ausgesprochen langfristig und voraussagbar ersparen kann (und einem solchen Kollegen eine solch junge Patientin ausgespannt hat, die ihre Zähne ja noch lange braucht….smile…).. Das ist mit Geld gar nicht aufzuwiegen..