Abgebrochene Instrumente

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Obwohl es keinen wissenschaftlichen Beleg dafür gibt, dass sich die Prognose der Wurzelkanalbehandlung durch die Behandlung unter einem Dental-Mikroskop (DM) verbessert, sind die Spezialisten für Endodontie bemüht, dessen Anwendung als conditio sine qua non für die erfolgreiche Endodontie zu beschreiben und zu etablieren. Vor dem Hintergrund, dass in der neuen GOZ die indikationsgerechte Behandlung der Endodontitis auf dem Altar des DMs geopfert werden soll – beispielsweise soll die Phys gestrichen, dafür aber eine Position “DM” eingeführt werden – sind sie dabei auch recht erfolgreich.

Als Beleg für die Unverzichtbarkeit wird gerne auf die Entfernung frakturierter Instrumente verwiesen, die wesentlich erleichtert sei. Dabei werden zwei Faktoren nonchalant unter den Tisch gekehrt, die allerdings entscheidend sind:

1. Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass die Prognose des betroffenen Zahnes durch die Entfernung des frakturierten Instruments verbessert würde. In beiden Fällen ist sie wissenschaftlichen Studien zufolge gleich gut, bzw. gleich schlecht, je nachdem aus welchem Blickwinkel man die Erfolgsquoten der als modern auftretenden Endodontie betrachtet. Die Prognose des Zahnes wird vielmehr dadurch bestimmt, ob die bestehende apikale Ostitis ausheilt oder nicht.

2. In ihrem Bemühen, sich durch die Anwendung des DM als überlegene Spezialisten zu definieren, wird übersehen, dass schon vor Einführung des DMs gelegentlich Feilen frakturiert sind, und es Allgemeinärzte gab und gibt, die den für die Endodontitis verantwortlichen bakteriellen Infekt schon immer indikationsgerecht behandelt haben/behandeln, und in der Folge mit diesem Problem auch ohne diese in den Augen der Spezialisten bahnbrechende mechanische Innovation spielend fertig wurden und werden.

Lange Frakturstücke entfernen wir einfach so auf die Schnelle. Zur Not auch mit verbundenen Augen.

An mittellangen frakturierten Feilen  in relativ geraden Kanälen wie bei diesem 16 bereiten wir mit geschlossenen Augen vorbei auf, um uns besser aufs Fühlen konzentrieren zu können, wie auf dem rechten Bild zu sehen ist, wenn man genau hinschaut.

Nach Ablauf von 20 Jahren wird das dann aussehen wie bei dieser Patientin, die übrigens eine ausgesprochen heftige Bruxerin ist.

Bei kurzen Frakturteilen, die noch dazu hinter einem Knick liegen, und an denen man nicht vorbeikommt, dehnen wir die Desinfektionsphase entsprechend aus, weil man die durch das frakturierte Instrument bedingten Defizite in der Mechanik durch eine Verlängerung der Desinfektionsphase mit potenten Desinfektionsmitteln sehr wohl kompensieren kann, was jedoch umgekehrt in keinem Fall geht, wie man an den – trotz mechanischer Hochrüstung – unverändert grottenschlechten Therapieerfolgen der Endodontologen leicht erkennen kann.

Das rechte Bild zeigt denselben Fall nach 10 Jahren. Deutlich ist zu sehen, dass wir uns im völligen Einklang mit der
Literatur befinden: Die Prognose des Zahnes wird nicht durch das Belassen oder Entfernen des Instrumentenfragments bestimmt, sondern allein durch die Ausheilung bzw. Nichtausheilung der apikalen Ostitis.

Wir können Ihnen in der Folge versichern, dass wir in unserem  zahnärztlichen Leben noch keinen Zahn wegen eines frakturierten Instrumentes extrahiert haben. Deutlich wird, dass es immer schwerer wird, sich zumindest nach außen als überdurchschnittlich erfolgreicher Wurzelkanalbehandler zu präsentieren: Genügte es früher, ein wenig – zur Verbesserung der Prognose wissenschaftlich belegt nicht notwendiges – Spanngummi für ein paar Mark zu erwerben, muss es heute ein- zur Verbesserung der Prognose wissenschaftlich belegt nicht notwendiges – Dentalmikroskop für zig Tausende Euros sein.

Da kann man einmal sehen, welche Blüten eine nicht indikationsgerechte Behandlung einer einfachen bakteriellen Infektionskrankheit in einem seit 100 Jahren vollständig beschriebenen anatomischen Umfeld auch heute noch austreiben kann….smile…